Der Verlobte Tag …

… hat in Flörsheim einen Status wie Weihnachten und Ostern. Die jährliche Prozession erinnert an die Rettung vor der Pest im Pest im Jahr 1666.

Der Schneider Petri Schuchmacher wollte nur, dass seine Kinder nicht in Lumpen herumlaufen und beorgte aus einem Nachbarort gebrauchte Kleider. Doch in den Gewändern saßen Flöhe und mit ihnen brachte der den Schwarzen Tod nach Hause.

Flörsheim war damals ein Dorf mit ca. 700 Einwohnern. Die meisten von ihnen waren Fischer oder Bauern und nur vereinzelt gab es Handwerker wie Schmiede oder Wagner. In einfachsten Verhältnissen lebend, teilten sich viele Flörsheimer ihren engen Lebensraum mit Hühnern und Schweinen – die ideale Voraussetzung für eine Seuche.

Nach den ersten Pesttoten (4 Kinder des Schneiders Schuhmacher) wussten die Bewohnern noch nicht, was über sie hereingebrochen war. Es gab keinen Arzt und der einzige Gebildete in dem Ort war der Pfarrer Laurentius Münch, der versuchte, den Kranken zu helfen. Von ihm stammen auch die Aufzeichnungen aus dieser Zeit. Im Winter, Mensch und Tier verbrachten mehr Zeit dicht gedrängt im Warmen, stieg die Zahl der Opfer so stark an, dass sie nachts beerdigt wurden. Im Dorf sollte keine Panik ausbrechen. Innerhalb eines Jahres hatte die Pest etwa ein Drittel des Dorfes ausgelöscht und wütete insgesamt etwa ein Jahr.

Aufgehalten wurde sie, so will es die Legende, durch ein Versprechen der Gemeinde: Jedes Jahr sollen die Bürger am „Verlobten Tag“ mit einer Prozession durch die Straßen ziehen und an die Pest erinnern.

Der „Verlobte Tag“ wird bis heute in Flörsheim immer am letzten Montag im August gefeiert.